Unkenrufe – Horror

 

Taschenbuch: 292 Seiten
Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (31. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3957651042
ISBN-13: 978-3957651044
Größe und/oder Gewicht: 12,7 x 1,9 x 20,3 cm

 

Leseprobe:

Der quadratische Raum mit der großen Trennscheibe, durch die Wolf Bernbach den Eingangsbereich des Reviers im Auge hatte, war kahl und ungemütlich. Das kalte Metall der Stahlschränke glänzte im Licht der unregelmäßig flackernden Neonröhren genau wie der Lauf der polierten und geölten P6, die Bernbach neben sich auf den Schreibtisch gelegt hatte. Bernbach schaltete das Deckenlicht aus und seine Schreibtischlampe an.
Der Raum war so still wie die heilige Nacht, die gerade allüberall gefeiert wurde. Bernbachs Kollegen saßen mit ihren Kaffeebechern und den von der hübschen Janine aus dem Schreibbüro gebackenen Keksen vor dem kleinen Weihnachtsbaum, den sie mit bunten Kugeln und Strohsternchen aus ihren privaten Schätzen geschmückt und in einer Nische neben dem Empfangstresen aufgestellt hatten. Immer, wenn Bernbach zu der fröhlichen Runde seiner Kollegen hinüberschaute, pendelte der lange blonde Zopf von Janine hin und her, während sie sich lebhaft mit dem Revierleiter unterhielt. Mit Bernbach hatte sie seit der Sache mit Vera kein Wort mehr gesprochen. Er schnaubte. Was hatte eine Schreibkraft überhaupt bei den Beamten herumzusitzen, dachte er. Jetzt starrten die beiden auch noch zu ihm herüber.

Als sein Chef aufstand, senkte Bernbach hastig den Blick und stieß mit dem Ellbogen gegen den schiefen Aktenstapel, den er bei Dienstantritt auf seinen Tisch geknallt hatte. „Verdammt!”, fluchte er und versuchte den Strom ungeklärter Fälle, die über seinen Tisch und auf den Boden rutschten, zu bremsen. Mit einem hässlichen Knall fiel die P6 unter den Tisch. Bernbach schlug die erste Akte auf, die er in die Finger bekam. Aufsammeln würde er später, wenn keiner mehr zu ihm herübersah. Und vor allem: Wenn sein Chef die Tür von außen zugemacht hatte. …