Nachlese: Wie schenk ich’s meinem Kinde?

Nun haben wir es also wieder überstanden. Die Tochter glaubt weiter an den Weihnachtsmann, und der hat sie in diesem Jahr so richtig glücklich machen können.

Wovon ich allen Alleinerziehenden, die unbedingt auf den Besuch des besagten Bartträgers in Form eines verkleideten Irgendjemand verzichten möchten, zur Schonung der Nerven allerdings dringend rate: Kaufen Sie keine großformatigen Sachen, die Sie zusammenbauen müssen, wie zum Beispiel das Cinderella-Schloss, wenn Sie diese unbeobachtet von A nach B befördern müssen.

Die meisten Teile hatte ich schon zusammengebaut, als Tochter noch ihre letzten Schultage abgesessen hatte. Natürlich passte eins der Teile wieder nicht und beim „Himmelsackeldasmussdochgeh’n“- Prökeln habe ich mir das fragliche Plastikteilchen mitten in den Zeigefinger gebohrt. Das tiefe Mitgefühl meiner Tochter („War das Angel?“ „Nein, Schatz. Der Kater hat mich ausnahmsweise nicht erwischt.“) hat mich dann auch nachhaltig entschädigt. Kleinteile hatte ich mir für Donnerstagnacht aufgespart. Wenn Tochter schläft, kann ich das noch locker zusammenschrauben.

Sie schlief nur leider nicht. Total aufgekratzt brummte sie durch die Wohnung, bis ich ihr gegen Mitternacht zähneknirschend den Zugang zum Schlafzimmer freigegeben habe. Da lag sie dann Arm in Arm mit den beiden Katern und schnarchte. Toll. Gegen zwei Uhr morgens fiel ich doppelt fertig (mit den Bauarbeiten und dem Tag) neben sie. Klar, dass sie dann am Morgen auch lange vor mir wieder auf den Beinen war.

Erstaunlich, dass sie die ganzen Tage über nicht am oder im Kleiderschrank gespielt hat. Sie wissen sicher, warum? Genau: Darin stand ein fast komplettes, zusammengeklapptes Schloss inklusive funktionierender Turmuhr, vor dem Cinderella und ihr Prinz auf einer Bank saßen. Eben da lag aber auch das größte Problem: Wie sollte ich das ins Wohnzimmer kriegen? Mein Kind lässt mich ja keine Sekunde aus den Augen. Selbst beim allerprivatesten Privatgang reißt sie sofort die Tür auf, wenn ich mein von ihr gesetztes Zeitlimit überschreite. Den Schlüssel vom Bad hatte ich vor Jahren perfekt versteckt, damit sich die seinerzeit Kleine nicht aus Versehen oder die jetzt Große aus anderen Gründen einschließen kann. Außerdem hätte mir der Badaufenthalt in diesem Fall nicht geholfen.

Der traditionelle Krippenspielgang kam mir da gerade recht, allerdings würde ich sie länger beschäftigen müssen. In den letzten beiden Jahren bin ich einfach schnell zurückgelaufen („Warte mal eben hier, ich habe wasauchimmer vergessen.“), habe die Tüte mit den Geschenken geschnappt und die Gaben auf den Tisch gekippt. Also dieses Jahr ein bisschen mehr Theater – die obligatorische Tüte war schließlich auch noch da. Die Schiebetür zum Wohnzimmer war schon zu („Pass auf, dass die Katzen nicht reinlaufen. Die stören sonst den Weihnachtsmann.“). Nun gut. Los:
„Kind, hol bitte schon mal den Fahrstuhl.“
Rein ins Schlafzimmer – Schloss an die Tür gestellt.
Einmal um die Ecke schielen: Das Kind eilt (wieder) zum gerade erschienenen Fahrstuhl.
„Mama, er ist daha.“
„Gut! Ich bin gleich da.“
Schiebetür auf. Zurück und Schloss schnappen. Schloss aufklappen. Vor das Sofa stellen. Schwarzen Kater schnappen, Schiebetür zuziehen.
„Mama. Komm.“
„Gleich, Maus. Ich muss noch mal eben den Kater einfangen.“
Die Puppen mit der Bank schnappen. Schiebetür auf. Puppen vor das Schloss stellen. Die Bastelarbeit aus der Vornacht aus den Taschen ziehen und aufstellen. Den getigerten Kater schnappen. Schiebetür zumachen.
„Ich muss nur noch den Mantel anziehen.“
Ab ins Schlafzimmer. Die Tüte mit den Geschenken schnappen. Schiebetür öffnen. Geschenke auf die Couch streuen. Mantel, Schal und schwarzen Kater schnappen.
„M-a-m-a! Andere wollen den Fahrstuhl auch mal haben!“
Schiebetür schließen. Den Aufenthaltsort beider Kater überprüfen. Schlüssel an der Haustür umstecken. Tür (ab)schließen. Das Wummern am Fahrstuhl überhören.
Umdrehen.
Breit lächeln.
Den Mantel mit theatralischem Schwung über die Schulter werfen.
„Entschuldige, Maus. Die Kater sind dreimal ins Wohnzimmer gelaufen.“
Im Erdgeschoss ein geätztes „Wie NETT“ des mit rollenden Augen wartenden Neumieters mit einem strahlenden Lächeln quittieren und hinausmarschieren.
„Mama? Meinst du, der Weihnachtsmann kommt, wenn wir nicht da sind?“
„Bestimmt, Maus. Wenn du artig warst.“

(2005)