Archiv der Kategorie: Phantastik

Corona Magazin: Lennie Bell beschwimmt den Teufel

„Liebe Kurzgeschichten-Freunde,

ist das wirklich schon so lange her? Im August 2010 war Susanne Schnitzler zum ersten und bis heute auch letzten Mal mit einer Story im Corona Magazin (es war die Ausgabe 239) vertreten, damals in der Themenrunde „So viel Zeit“. Das hat die Autorin offensichtlich wörtlich genommen und sich fast sechs Jahre für ihren zweiten Beitrag Zeit gelassen: die Geschichte „Lennie Bell beschwimmt den Teufel“, Platz 3 im Wettbewerb zum Thema „Teuflisch“.“

Ach, Armin … 😀

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Und weil es so schön war, gleich noch einmal:

Lennie Bell beschwimmt den Teufel in:

zwielichtclassic11

Horrormagazin Zwielicht Classic
Band 11
Herausgegeben von Michael Schmidt
Titelbild: Oliver Pflug
November 2016

Rebellen solltet ihr keine Geschichten erzählen. Schon gar nicht die vom Teufel, wie er auf einer der Inseln mitten im See haust und darauf lauert, dass verderbbare Seelen um Mitternacht hineinspringen und mit ihm um die Wette schwimmen, nur um dann jämmerlich zu ersaufen und an die Ufer gespült zu werden oder ganz zu verschwinden, während der Teufel noch auf ihren Seelen kaut. Natürlich schworen hinterher alle Stein und Bein, dass sie kein Wort glaubten, aber Lennie Bell hatte aufmerksam zugehört und ich konnte dieses gewisse Funkeln in seinen Augen sehen. Er gehörte zu den ewig Suchenden, musste immer etwas beweisen, war ständig auf der Suche nach einem Kick, einer Wahrheit, dem Besonderen, nach etwas, das ihn aus der spießigen Langeweile ins warme, pulsierende Leben katapultieren würde, und er ließ keine Herausforderung aus. Corona Magazin: Lennie Bell beschwimmt den Teufel weiterlesen

The Story of Nobs

 

Birgit Otten (Hrsg)
Roter Mond – 9 fantastische Geschichten

Der Blutmond – den Menschen ein dunkles Omen, geheimnisvoll und magisch. Grenzen verschwimmen, Tore öffnen sich, verborgene Kräfte erwachen. Die Nacht wird zum Schatten einer anderen Welt.
Dieses Buch lädt ein zur abenteuerlichen Reise unter dem roten Mond, zu Mythen, fremden Wesen und dunkler Magie.
Neun Autorinnen präsentieren in bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten die fantastischen Seiten der Mondfinsternis – von bittersüß bis bitterböse. Mit spannenden, mystischen, heiteren und mitreißenden Beiträgen von Klara Bellis, Anke Höhl-Kayser, Monika Kubach, Ardy K. Myrne, Birgit Otten, Paula Roose, Katja Rostowski, Susanne Schnitzler und Andrea Tillmanns.

Als eBook dauerhaft kostenlos bei allen bekannten Anbietern. Der direkte Link zu Amazon liegt auf dem Titel der Anthologie 🙂

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The Story of Nobs

Nathalie hat sich verändert, dachte Nobs und beobachtete stirnrunzelnd, wie das grell geschminkte blonde Mädchen sich mit Hilfe ihrer Ellenbogen den Weg in die Schulkantine bahnte. Sie drückte einem höchstens zehnjährigen Jungen, der nicht schnell genug zur Seite trat, die Hand ins Gesicht und schob ihn fort. Nein, korrigierte er sich ehrlich, sie hat sich nicht verändert, ich habe die Anzeichen einfach ignoriert.

Der stechende Blick, der verkniffene Mund, wenn sie sich unbeobachtet fühlte, die schrille Stimme, die gerade wieder über den Schulhof gellte, als sie kreischend ihre Clique begrüßte, ihre ständigen Forderungen und der Anspruch, bedient zu werden. Ihre Rücksichtslosigkeit. Ihr Desinteresse an allem, das nicht sie war. Das alles hatte er verdrängt, wenn er in den Pausen oder beim Essen neben ihr sitzen oder stehen und ihr ebenmäßiges Profil bewundern durfte. Als sie dann aber mitten im Schuljahr mit Konrad aus der Elften anbandelte, der zu allem Überfluss fast genau so aussah wie Nobs, dämpfte das seine Begeisterung für sie drastisch.

Trotzdem. Nobs fand sie auch mit dem quietschbunten Geschmiere im Gesicht, mit dem sie Konrad und seine Clique zu beeindrucken versuchte, noch hübsch, und sein Herz schlug ein bisschen schneller als nötig, als sie über die Schulter sah. Er bildete sich für einen Moment ein, sie würde ihn erkennen, obwohl er mit seinen beiden Freunden weit hinten auf dem Picknickplatz saß. Nobs seufzte. Dass sie lieber mit dem übelsten Mobber der ganzen Stadt loszog statt mit ihm, tat ihm immer noch weh.

Luziellas Wundersamer Weihnachtszauber

Zu meiner großen Freude hat Luziella Einzug in eine Sammlung romantisch märchenhafter Texte gehalten. Ich freue mich über die

Perlen der Fantasie

40 fantastische Geschichten und Gedichte von über 20 fantastischen Autoren.
Tauchen Sie mit uns ab in die Welt der Fantasie.

Authors United
Verlag: Edition Trailer Spot, 2016
301 Seiten,
Broschiert: 14,90 €
Kindle: 4,90 €

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Sie wissen ja bestimmt, wie das in Hochhaussiedlungen läuft: Die Prospektträger werden nach der Zahl der eingeworfenen Werbeblätter bezahlt, also sind wir ihre liebsten Opfer. Ähnlich denken Staubsaugervertreter, Rundfunk- und Fernsehanbieter und alle möglichen Betrüger.

An einem durchschnittlichen Tag liegen auf den Fußmatten bis zu drei Visitenkarten, die unsere geliebten Klinkenputzer in mühsamer Beinarbeit in jedes Stockwerk geschleppt haben, oder im Briefkasten, der dazu noch überquillt mit der ewig gleichen Werbung der Supermärkte, Reinigungen, Sprach- oder Sportschulen, Pizzadienste und hässlichen „Trink-Dein-Fett-weg“-Zettelchen. Neuerdings gibt es sogar Stellenangebote für russisch sprechende Zimmermädchen.

Können Sie sich also meine Überraschung vorstellen, als ich ausgerechnet am 23. Dezember nur eine einzige Karte im Briefkasten fand? An einem Tag, für den ich eigentlich eine Flut von „Greifen-Sie-schnell-noch-zu“-Angeboten erwartete?

Und es war nicht nur die einzige, sondern auch eine besonders schöne Karte mit einem dunkelblauen, samtweich eisigen Hintergrund. Links oben blinzelte ein Frosch mit einer Weihnachtsmütze durch Schneegestöber und quakte „Jingle Bells“, während ein flinkes Mäuschen diese Weihnachtsmütze mit Schneebällen bombardierte. Rechts flimmerte der Goldschmuck eines Tannenbaums, und der untere Rand der Karte war mit einer zarten Bordüre aus silbernen Ornamenten verziert. Das Beste aber war die himmelblaue Leuchtlaufschrift in der Mitte:

Sind Sie im Weihnachtseinkaufstress? … Suchen Sie jemand, der die Arbeit freudig übernimmt? … Dann ist Luziellas Wundersamer Weihnachtsservice genau das Richtige… Auf Wunsch zaubern wir komplette Festmenüs (drei bis sieben Gänge) … Für weitere Informationen bitte die Karte wenden … Sind Sie im …“.

Was hätten Sie jetzt an meiner Stelle getan? Die Karte weggeworfen? Ehrlich? Ich nicht. Nachdem ich mich also vergewissert hatte, dass dabei weder Frosch noch Maus Schaden nahmen, wendete ich das Blatt. Auf der Rückseite stand: „Bitte hier reiben“.

Plopp.

Als die kleine Meerjungfrau erkannte, was zu tun war

Stumm starrte die kleine Meerjungfrau auf die Rüstung und sah zu, wie ihr Blut über das Metall floss. Als sie noch in der Armee ihres Vaters Dienst tat, war der gezirkelte Schwanzschlag ihre stärkste Waffe gewesen, aber hier? Mit dem Hintern über den Boden robben und den Schwanz immer wieder hoch genug zu heben, um ihn den Angreifern um die Ohren zu schlagen, war keine effektive Kampfmethode.
Zorn wallte in ihr auf und sie gestattete dem Blut, das sich hinter ihren Augen staute, herauszufließen. Ursula hatte sie schändlich betrogen. Ihre Stimme hatte sie genommen, aber ihren sehnlichsten Wunsch, einem Menschen gleich zu werden und ihren Prinzen zu erobern, erfüllte sie nicht. Oder nur zum Teil – die Meerjungfrau konnte außerhalb des Wassers überleben, aber das alleine war nicht Teil des Deals gewesen. Sie wollte den Prinzen, dem sie so mutig das Leben gerettet hatte, aber der hatte nur Augen für die Zuckerprinzessin, die um ihn herumtänzelte und den ganzen Tag lang albern kicherte.
„Wenn er dich nicht so will, wie du bist, verdient er dich nicht“, raunte der aufkommende Wind ihr zu. Er sprach mit Arielles verkaufter Stimme und auf einmal wusste sie, was sie zu tun hatte.

Foto: Kleine Meerjungfrau im Krieg

Mondsteinaugenmädchen

„Schau, was ich mit zwei Fingern alles tun kann“, rief das Mädchen mit den Mondsteinaugen lachend. Zeige- und Mittelfinger schmiegten sich sanft aneinander und – „Phiiiuuu“, rief das Mädchen und lachte noch immer – ließen das dritte Auge in dunkelrotem Schwarz zwischen den opaken Mondsteinen erblühen. Es tropfte ein wenig und rann an ihrem Mund herunter. Das Mädchen mit den Mondsteinaugen tanzte durch die Stadt und hörte gar nicht mehr auf zu lachen und es zeigte jedem sein drittes Auge und dahinter war nichts.

Foto: Mädchen mit Mondsteinaugen

 

Steintod

 

Bernd Walter (Hrsg)
Geister, Aliens, Detektive: fantastische Kriminalgeschichten (XUN Ebook-Edition 23)
Kindle Edition: € 2,45

Geister, Aliens, Detektive
Dass das eine durchaus etwas mit dem anderen zu tun haben kann, beweisen die Geschichten in dieser außergewöhnlichen Anthologie auf das Eindrucksvollste!
Dienstbeflissenheit bis über den Tod hinaus, rätselhafte Mumien, die tödliches Eigenleben entwickeln, unheimliche Relikte aus anderen Kulturen – das sind nur ein paar Beispiele aus den zehn spannenden Geschichten, die neun Autorinnen und Autoren zu dieser fantastischen Anthologie beigesteuert haben.

Hier bei Amazon oder direkt beim Verlag bestellen.

Als mein Weg endlich den des berüchtigten Richard Braunschweig kreuzte, war er längst nicht mehr der Jüngste und ziemlich tot. Viel wusste ich nicht über ihn, eben das, was sowieso jeder wusste und was meine Klientin mir sagte. Er war fünfzig, Vater von zwei aus seiner Sicht erfolglosen Söhnen und Inhaber der Agentur Braunschweig. Offiziell handelte es sich dabei um ein Institut zur Eheanbahnung, aber inoffiziell … Nun, Gerüchten aus der Unterwelt zufolge fand man dort alle möglichen Partner für alle nur denkbaren Geschäfte und er verdiente wohl auch ganz gut daran, immerhin lag sein Haus in einem der reicheren Viertel, und er war ein oft, wenn auch nicht überall gern, gesehener Gast auf den Partys der High Society. Außerdem hatte er in seiner Jugend reich geheiratet, was ihn aber (natürlich auch nur Gerüchten zufolge) nicht daran hinderte, sich mit zahlreichen anderen Damen und Herren zu vergnügen. Ich überlegte gerade, wie ich meiner Klientin helfen konnte, als Steiners Anruf mich zum Tatort rief. …

Alles in Ordnung bei Igor

 

Britta Heinrichs (Hrsg.)
Die sieben Todsünden
Books on Demand, April 2015
ISBN 978-3-7347-7095-1

Der Erlös aus dieser Anthologie kommt einer Familie aus Holzminden zugute. Einer ihrer vier Söhne ist an Muskeldystrophie erkrankt. Alle AutorInnen und GrafikerInnen haben ihre Beiträge deshalb ohne Honorar zur Verfügung gestellt.


Den ersten Tag nach seiner Entlassung begann Igor wie jeden anderen seiner früheren Arbeitstage: Er schlug dem Wecker das penetrante Klingeln aus der Glocke (die Zahl der Wecker, die er mit dieser wischenden Bewegung zerschlagen hatte, konnte er sich kaum merken), drehte sich auf den Rücken und schwelgte in der Erinnerung an das köstliche Abendmahl, das er am Vortag bei seiner Mutter genossen hatte.
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Das ist unser Ernst: Dornröschen im Trog

Für diese Anthologie haben sich 22 AutorInnen klammheimlich zusammengeschlossen, um sich mit dieser ausgefallenen Form der Ehrung bei dem Verleger Ernst Wurdack für 10 Jahre Autorenförderung zu bedanken.

Das Buch hat nun auch endlich den Weg zu seinem Empfänger finden können. Verlegt wurde der Band im damaligen Wortkuss-Verlag von Simone Edelberg.

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Nebenverdienst zur Weihnachtszeit

Erstaunlich, welche Texte auf einmal wieder ans Licht kommen. Herzlichen Dank an Florian Stummer, der meinen Beitrag „Nebenverdienst zur Weihnachtszeit“ als gut genug einstufte, ihn an den SFCD weiterzuleiten. Natürlich freue ich mich auch, dass Michael Haitel ihn für seine erste Sammlung STORY CENTER – Boa Esperanca – angenommen hat.

Michael Haitel (Hrsg.)
BOA ESPERANÇA
STORY CENTER 2009
AndroSF 5
ISBN 978 3 8391 3603 4
588 Seiten, 120*190 mm, EUR 29,90

Leseprobe: Nebenverdienst zur Weihnachtszeit weiterlesen

House of Detention

Bill Garner hatte seinen Posten erst seit zwei Tagen. Er konnte eigentlich froh sein, dass er nach seiner Entlassung überhaupt so schnell einen Job gefunden hatte – trotzdem war es ein Witz, dass er als Nachtwächter in einem Museum arbeitete, das früher mal ein Knast gewesen war. Er grinste und nahm seine Jacke vom Haken. Zeit für einen Rundgang.

Bill genoss seine Freiheit. Wenn im Prozess herausgekommen wäre, was er wirklich alles auf dem Kerbholz hatte, dann hätten sie ihn nie wieder auf die Menschheit losgelassen. Aber sie konnten ihm nur die Hehlerei anhängen und die war schnell abgesessen. Die Leichen hatte sein Auftraggeber beseitigt, und Bill war völlig egal, was er damit angestellt hatte. Er hatte seinen Auftrag erledigt und jetzt würde er seine Belohnung bekommen. In seinen Kreisen hielt man seine Versprechen. House of Detention weiterlesen